i made my clothes

 
ich nähe meine kleider selbst.
 
ein starkes statement. und ganz ehrlich bin ich vielleicht nicht. aber ich nähe einen sehr großen teil.
 
warum mir das zu sagen so wichtig ist?
 
diese woche, ihr habt es vielleicht schon in irgendeinem sozialen medienkanal mitbekommen, ist fashion-revolution-week.
 
 
da geht es nicht darum die mode zu revolutionieren, sondern den gedanken dahinter. den prozess. die herstellung. es geht darum, aufzuzeigen wie ausbeuterisch diese branche ist, und wie sehr wir durch unseren konsum das leid vieler verursachen.
 
so zeigen sich viele frauen in diesen tagen mit nach außen gekehrten kleidungsstücken und fragen die hersteller #whomademyclothes - wer hat mein/dieses kleidungsstück gemacht?
das soll wachrütteln. soll ausleuchten. soll klarheit schaffen. missstände aufzeigen. helfen.
 
 
#imademyclothes - ich nähe meine kleidung selbst.
 
es ist mir wichtig ein zeichen zu setzen.
ein zeichen, dass mir ausbeutung, ungerechte löhne, kinderarbeit, usw. nicht egal sind.
erst durch das herstellen eigener kleidung habe ich schätzen gelernt, was es heißt eines herzustellen. durch wieviele hände so ein t-shirt geht. und wie wenig ich die arbeit durch einen preis von 5,99 schätze. etwas, das mir in den letzten jahren immer mehr bewusst wird.
 
ich bin früher furchtbar gern einkaufen gegangen. habe nachmittage damit verbracht durch die geschäfte zu streifen und mir ständig neue sachen gekauft. nie auch nur den leisesten gedanken daran verschwendet, woher die sachen kommen.
 
 
erst durch das nähen selbst - klingt paradox - habe ich gelernt es mehr zu schätzen. wer einmal ein shirt, eine hose, eine jacke genäht hat weiß, wie aufwändig das ist. wie viele arbeitsschritte es beeinhaltet. wie viele handgriffe, nähte gemacht werden müssen.
und dann werden uns vor vier jahren durch einen traurigen unfall plötzlich die augen geöffnet. wer vorher noch nicht sensibilisiert war sollte es wenigstens seit diesem zeitpunkt sein.
zumindest waren wir es eine zeitlang, da uns die bilder der missstände in der kleidungsproduktion aufgezeigt wurden, der tod derer den wir mitverursacht haben. 
 
 
aber es ist einfach wegzusehen.
die bilder lassen sich aus den köpfen verdrängen. unsere konsumwelt gaukelt uns vor, dass wir schritt halten müssen. die mode bleibt weiterhin billig. geändert hat der unfall nichts. die ausbeute geht weiter. kleidung bei uns ist so billig wie nie zuvor. die entfernung ist zu groß, als dass uns etwas direkt weh täte.
 
aber bei vielen hat es tatsächlich ein umdenken gebracht. und mich hat die thematik auch nachhaltig berührt. ich kaufe seither bewusster. vor allem aber weniger. ich gehe so gut wie gar nicht mehr einkaufen. vielleicht auch, weil ich sehr viel selber nähe und  das bedürfnis nach neuer kleidung dadurch stille.
 
ich nähe tatsächlich vieles meiner gardarobe selbst.
 
ich will den prozess, die handarbeit daran schätzen. will bewusster damit umgehen.
etwas das mir nicht immer gelingt. glaubt jetzt bitte nicht, dass ich perfekt bin. im gegenteil. aber es sind doch die schritte, die einen weg ausmachen. und ich bewege mich in eine gute richtung. eine, die ich verantworten kann. etwas, das ich meinen kindern vorleben will.
 
 
verantwortung zu übernehmen. unnötiges zu vermeiden. das fängt zuhause an.
ich erzähl euch jetzt aber nicht, dass wir bewusst auf ein zweites auto verzichten, müll vermeiden und trennen, wo es geht, versuchen resourcen- und umweltschonend zu leben. das würde den rahmen sprengen. aber ihr seht, ich will das gesamtkonzept. nicht nur einen ausschnitt.
 
 
ich kaufe auch seit jahren gerne secondhand oder versuche durch wiederverwertung die lebenszeit zu verlängern. einfach meinen kleinen beitrag zu leisten.

 
so wie bei diesem shirt hier z.b.
ein richtiges upcyclingprojekt. ein ausrangiertes altes shirt meines mannes. zu schade, um schon zum putzlappen zu werden. groß genug, um mir ein neues draus zu nähen.
 
 
 
der neue shirtschnitt "swinging-raglan" von leni-pepunkt eignet sich super dafür.
durch ein paar details wird es zum absoluten lieblingsstück.
 
hinten z.b. hat es eine passe, die sich toll für einen aktzent nutzen lässt.


 
ich habe vor einiger zeit das handsticken für mich entdeckt. um ehrlich zu sein habe ich es in der schule nicht allzu gerne gemacht. lag wohl daran, dass ich einfach zu ungenau gearbeitet habe. bei dem, wie ich es heute mache bleibt viel spielraum.  wir finden viele solche bestickten Sachen in den läden. und um ehrlich zu sein bin ich schon einige male davor gestanden mir eins zu kaufen.
 
aber wie schon erwähnt, irgendwie habe ich eher ein schlechtes gewissen wenn ich in den gängigen läden in der stadt einkaufe als dass es mir erfüllung bringt.
 


und dann kommt ja hinzu, dass ich ohnehin gerne kreativ werkle. also warum nicht selbst ein shirt besticken.
 
das ist im prinzip eine einfache sache. es lässt sich sogar schon ein fertiges kleidungsstück auf diese weise aufpeppen. denkt an die bestickten jeans, die es überall gibt zur zeit. nichts leichter als das.
 



in meinem fall hab ich einfach das stück stoff für die passe mit einem stickvlies in einen holzrahmen gespannt und verschiedene blumen gestickt. die auswahl an vorlagen, anleitungen und beispielen im netz ist riesig. und ich wage zu behaupten, dass das jeder kann. übung macht bekanntlich den meister. und - korrigiert mich, wenn ich mich irre - gerade das unperfekte macht den charm einer solchen stickerei aus.
 
 
 
 
 
wer mir auf instagram folgt hat sicher schon mein neuestes projekt gesehn.
 
jedenfalls: es ist ein lieblingsteil geworden.
 
hier könnt ihr schon mal ein bisserl luschern, und euch ideen holen. es sind so viele tolle beispiele entstanden von dem schnitt:
 

lookbook
 
habt ihr auch mein zweites beispiel entdeckt?
das zeig ich euch nähcste woche.
 
das hier ist aber mein klarer favorit zur zeit.
ich liebe den 'boholook' ohnehin schon seit jahren. das leicht verspielte und mädchenhafte passt super zu mir.
 
 
übrigens eingefasst hab ich den saum am hals mit einer tollen dehnbaren paspel von wunderpop. eine geniale art um etwas einzufassen. geht schnell und sieht toll aus.
 
 
 
ein paar handgemachte details und fertig ist der look.
 
ich muss sagen, ich will nicht das prinzip mode schlecht machen. besonders wir frauen lieben es seit jeher unsere persönlichkeit durch sie auszudrücken. mir geht es genauso. ein grund, warum ich gerne nähe. mir gerne kreativ neue sachen mache.
 
es geht nur um das wie.
 
deshalb bin ich auch froh über die aktive arbeit von susanne 'mamimade' bei der ihr diese Woche auch noch eure projekte zum thema verlinken könnt.
sie ist unglaublich mit ihren klaren worten und Infos zum thema mode. ihr erinnert euch vielleicht noch an die aktion #thisisnotokay vom letzten jahr. ein großartiges projekt, das aufgezeigt hat, dass mode auch ohne das ausbeuterische system auskommt und bestehen kann. es gibt alternativen.
und das tut gut zu wissen.
 
wir können etwas verändern.
aber wir müssen aktiv dazu beitragen.
 
 
 
das ist wieder ein sehr langer blogbeitrag geworden. aber er ist mir sehr wichtig.
 
mode ist eine so wunderbare sache. kann so viel spaß machen.
soll aber nicht am rücken anderer ausgetragen werden.
jeder kann seinen beitrag leisten.
auch wenn er klein ist.
 

 


 

mit diesen worten drück ich euch mal ganz fest und sag DANKE!!  so schön, dass ihr bis zum schluss geblieben seid. und noch schöner, wenn es auch euch ein anliegen ist.
 

 
 
 
alles liebe,
andrea
 
stoff- altes shirt
verlinkt mit rums, createinaustria, mamimade
 
 
 

Kommentare

  1. Liebe Andrea!
    Ein tolles Shirt hast du dir da genäht und die Stickereien sehen bezaubernd aus!
    Dein Post spricht mir aus dem Herzen. Seit einigen Jahren nähe ich fast meine komplette Kleidung selbst und kaufe mir kaum noch fertige Kleidung. Und bin sehr zufrieden und glücklich damit. Auch beim Nähen achte ich immer mehr darauf, was für Stoffe ich kaufe und nähe das, was ich wirklich brauche.
    Liebe Grüße
    Lilly

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    1. ganz ganz lieben dank lilly! wow toll, wenn du es schaffst wirklich fast deine ganze Garderobe zu nähen!

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  2. Heute übertriffst du dich wieder mal selber!

    Super Schnitt! Super Sympathisch! Super präsentiert! Super Frau!

    Bussal Susanne

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  3. Hi, Andrea,
    ein wichtiges Statement!
    T-Shirts, die wirklich nicht mehr für größere Sachen gehen, mache ich zu Textilgarn. Daraus kann man super grobe Sachen häkeln oder stricken (Hocker, Shopper, ...). Ich sammle sie und werde mal einen Teppich draus weben. Und zum Thema Mode kann ich nur sagen: Auffallen geht mit konventionellen Sachen eh kaum, die hat ja JEDE/R an. Auffällige Dinge MUSS man selbst produzieren!
    Mach weiter so!
    VG Petra

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    1. super, ich freu mich, dass es auch dir ein anliegen ist. ich denke, wenn viele in die richtige Richtung gehen können wir etwas bewegen!

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  4. schön, welche klaren worte du gefunden hast! ich kann jedes unterschreiben und dein shirt ist ein absoluter hingucker!
    bussi, kathrin

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    1. ja, wir sind uns da eh einig. danke du liebe!

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  5. Liebe Andrea, danke für diesen tollen Blogpost, sehr gelungen! Kann dir total zustimmen - wer selber mal Kleidung genäht hat, der hat quasi am eigenen Leib erfahren, wieviel Zeit, Arbeit und Herzblut man in solch ein Kleidungsstück steckt. Was für mich auch immer wichtiger geworden: Ich möchte nicht einfach nur trendige Stofe vernähen, an denen ich mich dann vielleicht in wenigen Monaten schon wieder satt gesehen habe, sondern lieber viele Basicteile entstehen lassen, welche untereinander gut kombinierbar sind und die ich vor allem längere Zeit -unabhängig von irgendwelchen Trends tragen möchte.
    Die Stickerei finde ich total süß, der Look steht dir echt gut!
    Viele Grüße
    Dani

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    1. ja du hast recht. es wirklich langfristig zu sehen ist ein wichtiger punkt. ich denke, wenn man seinen eigenen stil findet, bleibt man auch unabhäniger von Trends.

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  6. Liebe Andrea!So,jetzt habe ich auch alles gelesen;-)
    Ich finde du hast total recht und bei mir hat sich das ähnlich entwickelt...nur Hosen, die kaufe ich ,da traue ich mir das Nähen nicht zu.Aber die Oberteile sind fast alle selbstgenäht in meinem Schrank.Korrekterweise dürfte man ja eigentlich nur bio-Stoffe vernähen, aber das mache ich noch nicht so oft.
    Dein Shirt ist superschön geworden und die Stickerei ein Traum!!Liebe Grüße Tanja

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    1. ja du hast recht. an der Sache mit den biostoffen muss ich auch noch arbeiten!

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  7. Diesen Betrag hast du wunderschön geschrieben. Und auch die Stickereien und das Shirt sind toll geraten! Ich habe leider erst zu spät von dieser Aktion erfahren. Meiner Meinung könnte sie auch das ganze Jahr über laufen, denn mehr Links zu dieser Aktion würden vielleicht noch mehr Menschen dazu anregen, bewusster einzukaufen.

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    1. danke dir, liebe anita. ja du hast recht. du kannst aber das ganze jahr über die Hashtags dazu verwenden um ein zeichen zu setzen!

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danke, dass du ein paar worte da lässt! ich lese alle kommentare und freue mich über jeden einzelnen!
freue mich, wenn du wieder mal vorbei schaust,
alles liebe andrea

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